Viel Lärm um ... 86 Cent !

19. Juni 2020

Nach langem hin und her einigten sich die Ministerpräsidenten der Länder auf die Neufestsetzung des monatlichen Rundfunkbeitrages. Er soll um 86 Cent pro Monat und Haushalt steigen. Das sind nicht einmal 3 Cent pro Tag.

Ginge es um x-beliebiges Produkt oder eine x-beliebige Dienstleistung, würde das vermutlich niemand interessieren und keine Kommentare hervorrufen. Aber es geht um den öffentlich- rechtlichen Rundfunk und der hat nicht nur Freunde.

Betrachten wir uns die deutsche Medienlandschaft in Form von Rundfunk, Fernsehen, Tages-und Wochenzeitungen und Magazinen. Da senden Tag für Tag RTL, VOX, Pro Sieben usw. finanziert durch Werbung und die breite Palette der Sky-Angebote, finanziert durch Teilnehmergebühren. Bei den Radiosendern gibt es die durch Werbung finanzierten.
Sie haben eines gemeinsam, sie sind im Besitz von Privatpersonen, deren einziges Interesse es ist, möglichst viel Profit zu machen.

Dem gegenüber steht der öffentlich-rechtliche Rundfunk und das Fernsehen, finanziert durch Gebühren.
Alle Tageszeitungen und wöchentlich erscheinenden Druckerzeugnisse sind im Privatbesitz. Eine öffentlich-rechtliche Konkurrenz gibt es nicht.

Wer viel Geld für Werbung ausgibt, will keine kritischen Nachrichten hören, sehen und lesen, wenn es um brisante Themen geht.

Die katastrophalen Zustände in deutschen Fleischgewerbe, sind erst dann Thema, wenn ein Skandal nicht mehr zu verbergen ist. In den privaten Medien wird behauptet, ein Mindestlohn schaffe Arbeitslose, keine Entschuldigung, als sich das Gegenteil herausstellte.
Tarifforderungen der Gewerkschaften würden immer wieder die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft bedrohen. Seltsam, dass vor Corona, sehr gut verdient wurde.
Streik sei sozialistisches Teufelszeug, obwohl das Streikrecht in der Verfassung steht. Atom-und Kohleausstieg seien der Tod der Wirtschaft, sie lebt aber nach dem Ausstieg weiter.

Die skandalöse Verteilung von Vermögen und Einkommen ist kein Thema. Mietendeckel, Mietenbremse, Mitbestimmung hindern die Wirtschaft daran sich voll zu entwickeln. Bis ganz kurz vor der Corona-Krise war der Staat nichts als ein gieriges Monster, das seine Bürger mit Steuern und Abgaben drangsaliert und keiner weiß, wo das Geld hingeht.

Und, und, und…. Beispiele gibt es viele

Diesen neoliberalen Denkschablonen folgen die privaten Radio/Fernsehsender und ein sehr großer Teil der gedruckten Medien.
Einzig die öffentlich-rechtlichen Medien verfolgen einen Kurs von Ausgewogenheit, objektiven Informationen, ein beachtliches Engagement im kulturellen Bereich und von nicht zu seichter Unterhaltung.

Um diese wichtige Säule der Demokratie zu erhalten, sind die 86 Cent Erhöhung erforderlich.

Natürlich bedeutet das nicht, dass am öffentlich-rechtlichen System keine Kritik geübt werden darf. Doch würde das System verschwinden, gäbe es nur noch die Meinung der wirtschaftlich Starken und ihrer Verbündeten im politischen Bereich.

Hans Dötsch Vorsitzender AG 60+ Bayreuth Land

Teilen